sexsucht

Stichwort „Sexsucht“

Die meisten Leute müssen beim Stichwort „Parkplatz Sex“ schmunzeln, dabei ist dies alles andere als lustig. Systematisch gesehen zählt diese Art der Sucht zu den Verhaltenssüchten und ist ebenso wie die Alkoholsucht eine Krankheit, die zu Einschränkungen in anderen Lebensbereichen führt.
Das verstärkte sexuelle Verlangen und dessen Erfüllung wird also nicht – wie bei gesunden Menschen – als Bereicherung erlebt, sondern als Hemmnis, das konkrete soziale, familiäre, berufliche und sogar finanzielle Belastungen nach sich zieht. Der wissenschaftliche Begriff lautet „Hypersexualität“ und klingt zumindest etwas Sachlicher.
Erstmals wurde die Hypersexualität bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts in einem Fachbuch über sexuelle Störungen beschrieben.
Selbst die Weltgesundheitsorganisation beschäftigt sich mittlerweile mit diesem Thema. Allerdings ist die Abgrenzung sehr schwer.
Im Volksmund wird der Begriff anders und vorschnell verwendet im Gegensatz zum wissenschaftlichen Diskurs.
Prominente Männer brüsten sich hin und wieder damit, angeblich sexsüchtig zu sein, wenn es sonst keinen Anlass für Schlagzeilen gibt. In unserer Gesellschaft ist die männliche Variante auch quasi sozial akzeptiert, obwohl das Phänomen nicht nur auf Männer beschränkt ist. Die weibliche Variante – Nymphomanie genannt – ist im Allgemeinen wesentlich abwertender besetzt.
Unabhängig von der Sucht-Variante gilt auch heute noch eine Frau mit vielen männlichen Bekanntschaften als „Schlampe“, während ein sexuell aktiver Mann der „tolle Hecht“ ist. Die Frage, ob dies vielleicht krankhaft ist, stellt sich meist keiner. Während drogen- oder alkoholsüchtige Menschen teilweise bemitleidet werden, muss ein Sexsüchtiger wohl nicht damit rechnen, obwohl organische Ursachen durchaus möglich sind. So ist Hypersexualität nicht selten eine Nebenwirkung der so genannten „Dopaminogonisten“. Das sind Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson verwendet werden.
Häufig sind die Ursachen für die Sucht auch in der Biografie des Betroffenen zu finden und kann somit auch organisch gesunde Menschen treffen.
Natürlich ist nicht jeder Mensch, der sich Sexdates organisiert, krank. Es ist auch unklar, ob alle Verfasser von Inseraten nach dem Motto „Suche Nymphomanin“ wirklich wissen, was dies bedeutet oder nur auf eine willige Partnerin hoffen.
Nicht zuletzt sei erwähnt, dass Sexsucht nicht nur ein Phänomen im heterosexuellen Milieu, sondern unabhängig von der sexuellen Orientierung ist.
Beziehungen zu hypersexuellen Menschen gestalten sich schwierig, selbst wenn der Partner tolerant und verständnisvoll ist.
Sex wird wie ein Schmerzmittel genutzt und der Sexualpartner wird nicht als Mensch, sondern als Mittel zum Zweck wahrgenommen. Daher organisieren Betroffene innerhalb der Szene entsprechende Dates.
Eine fundierte Therapie gibt es bisher noch nicht, aber einige Sexualtherapeuten haben vielversprechende Ansätze.
Außerdem gibt es Selbsthilfegruppen, in denen Austausch möglich ist sowie das Gefühl vermittelt wird, nicht allein zu sein und verstanden zu werden.